Blender 2.79. Das Ende einer Ära- Artikel in Digital Production 1705

Wer sich noch an den Sprung von Blender 2.4x auf 2.5x erinnern kann, bekommt eine Vorstellung davon, was für den Sprung von 2.7x auf die 2.8x-Serie geplant ist. Wieder einmal wird das Interface in weiten Teilen erneuert, und auch bei der zugrunde liegenden Technologie soll sich einiges ändern. Blender 2.79 ist das letzte Release vor dem großen Sprung.

Daher haben sich die Entwickler einiges an Zeit gelassen, um für Stabilität zu sorgen und wichtige Features noch integrieren zu können. Außerdem sind sage und schreibe 22 (in Worten: Zweiundzwanzig!) neue Add-ons aufgenommen worden. Die auf Pathtracing basierende Render Engine Cycles hat drei wichtige neue Features für den Produktiveinsatz erhalten: Denoising, einen Shadow Catcher und den Principled BSDF-Shader.

Rauschunterdrückung für Standbilder

Mittels Denoising lässt sich das Rauschen in gerenderten Bildern drastisch reduzieren. Das war bisher zwar prinzipiell auch schon möglich, die dafür angebotenen Lösungen konnten allerdings nicht auf die Menge an Informationen zum Rendering zurückgreifen, die der neue Denoiser nutzt. Für Standbilder lässt sich damit die Renderzeit massiv reduzieren, für Animationen ist das System bisher allerdings nicht unbedingt geeignet, da in diesem Fall ein niederfrequentes Rauschen im Bild auftreten kann. Eine Erweiterung für den Denoiser, die aufeinanderfolgende Bilder einer Animation nutzt und dadurch das Rauschen unterdrücken kann, ist für die Zukunft geplant. Beim Baking kann der Denoiser momentan noch überhaupt nicht eingesetzt werden, in der Zukunft könnte diese Lücke aber geschlossen werden.

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Noise be gone! Einzelbilder können in Cycles jetzt mittels des neuen Denoisers nachträglich von lästigem Rauschen befreit werden.

Schatten einfangen

Objekte in der Szene lassen sich jetzt als Shadow Catcher einsetzen, was VFX-Workflows mit Cycles deutlich vereinfachen dürfte. Shadow-Catcher-Objekte sind für die Kamera unsichtbar, mit Ausnahme der Schatten, die auf sie geworfen werden. Das Ergebnis kann dann per Compositing über reale Footage gelegt werden. Indirektes Licht interagiert weiterhin mit den Shadow Catchern, sprich, sie erscheinen z.B. in Reflexionen. Man sollte für optimale Ergebnisse also z.B. mit dem UV-Project-Modifier die Footage auf den Shadow Catcher projizieren.

Disney Shader

Die Zeiten, in denen man sich in Cycles gezwungermaßen Materialien aus Node-Netzwerken zusammenklicken musste, sind vorbei. Mit Version 2.79 bringt die Render-Engine einen Über-Shader mit, der auf den Namen „Principled BSDF“ hört. Dahinter verbirgt sich die Technologie der „Disney BDSF“, die aber aus namensrechtlichen Gründen nicht so genannt werden darf. Damit wird es nun nicht nur einfacher, Materialien aus RenderMan zu übernehmen, indem man einfach die Paramter kopiert. „Pricipled BSDF“ fügt sich auch nahtlos in PBR-Workflows ein.

Das ist ein Punkt, in dem Cycles noch einige Schwächen hatte. Teils aufgrund der Tatsache, dass die Engine schon existierte, bevor sich in PBR-Workflows bestimmte Konventionen manifestierten, teils weil in Cycles der Fresnel-Effekt in eine eigene Node ausgelagert war und daher nicht auf Mikrofacetten-Basis arbeitete. In "Principled BDSF" ist er endlich integriert und erlaubt nun auch rauhe Materialien mit Fresnel. Das schöne daran: man kann jetzt Texturen aus irgendeinem Programm exportieren, das den PBR-Konventionen folgt – wie z.B. Substance Painter- mit den entsprechenden Sockets des Nodes verbinden und man erhält ein kompatibles Ergebnis.

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From Substance to Cycles – Mit der Principled BSDF können jetzt PBR-Texturen ohne Umwege in Cycles eingesetzt werden. Hier ein Vergleich mit der Ausgabe von Substance Painter. Render von Julian Perez.

SSS und Volumetrics für AMD

Nutzer von AMD-Grafikkarten können sich jetzt über Subsurface Scattering (SSS) und Volumetrics beim GPU-Rendering in Cycles freuen. Tranparente Schatten wurden ebenfalls optimiert und die häufigsten Ursachen für Abstürze beseitigt. Damit ist das Feature-Set beim Rendern auf der Grafikkarte mit OpenCL endlich auf Augehöhe mit dem CUDA-Backend. Außerdem muss beim Rendern mit OpenCL für optimale Ergebnisse die Größe der Tiles nicht mehr angepasst werden und man kann den Tiles nun beim Rendern zusehen. Ebenso erfreulich sind die starken Geschwindigkeitszuwächse.

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Perfomance Boost für OpenCL – Wer eine AMD-Grafikkarte zum Rendern einsetzt erhält mit Blender 2.79 nicht nur ein Feature-Set, das mit dem CUDA-Backend endlich gleichgezogen hat. Die Performance konnte obendrein gegenüber 2.78 deutlich gesteigert werden.

Ein Wermutstropfen jedoch: Karten mit GCN-1-Architektur (finden sich in der Radeon 7xxx-Serie) wurden aufgrund von zahlreichen Treiberproblemen vollständig deaktiviert, sie lassen sich nicht mehr für das Rendern mit Cycles auswählen.

3D-LUTs für das Farbmanagement

Blender hatte mit RRT zwar schon eine Unterstützung für den ACES-Farbraum, dank „Filmic“ werden jetzt aber endlich 3D-LUTs mitgeliefert. Damit wird der bei Fotos und Film zu beobachtende Effekt ausbleichender Farben bei stärkerer Beleuchtung simuliert. Natürlich bildet Filmic ebenfalls den Dynamikumfang von ACES ab und eignet sich daher sehr gut für photorealistische Renderings. Mitgeliefert werden verschiedene Presets für die Stärke des Kontrasts sowie eine False-Color-Darstellung, um schnell abschätzen zu können, ob es überbelichtete Bereiche gibt. Bei Filmic handelt es sich um Tonemapping des Rendered Previews im Viewport bzw. des Renderings an sich. Wenn man in Blender in Bildformaten wie JPEG, PNG oder TIFF speichert, wird auch das Tonemapping angewandt. OpenEXR hingegen speichert das lineare Render-Ergebnis ohne Farbmanagement und daher auch ohne Filmic. Da es sich bei Filmic um eine OCIO- Konfiguration handelt, kann es prinzipiell auch in anderen Programmen eingesetzt werden. In freier Wildbahn wurde es z.B. bereits für Nuke gesichtet.

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Mit dem „Filmic“ Farbmanagement desaturieren Farben in Richtung, wenn die Beleuchtung stärker wird.

Fortschritte bei Alembic

Der Im- und Export von Alembic wurde deutlich aufgebohrt um das Zusammenspiel mit Programmen wie Houdini zu verbessern. So sollte es jetzt weniger Fehler bei der Achsenaufteilung geben (in Blender zeigt z.B. die Z-Achse nach oben, in vielen anderen Programmen die Y-Achse). Es lassen sich aus Blender heraus jetzt auch leere Objekte und einfache Kind-Partikel sowie Proxy-Meshes von gelinkten Objekten exportieren und es wurden zahlreiche Fehler beseitigt. Insgesamt sollte Blender mittels Alembic jetzt wesentlich besser mit anderen Paketen kommunizieren können. Lediglich das HDF5-Format wird nicht mehr unterstützt, man kann aber das bei Alembic mitgelieferte AbcConvert nutzen, um solche Dateien in das neuere und deutlich performantere Ogawa-Format zu konvertieren.

Blender über Application Templates zum eigenen Programm machen

Wer Blender als Basis für ein eigenes Programm nutzen will, kann es jetzt über sogenannte „Application Templates“ anpassen. Diese überschreiben die Start- und die Konfigurations-Datei und können einen eigenen Splashscreen mitbringen. Mit einem Template können das Theme, die Tastenbelegung und die Beleuchtung im Viewport geändert werden. Am wichtigsten ist die Möglichkeit, dass eigene, Template-Spezifische Add­-ons installiert werden. Das ganze passiert in einem eigenen Konfigurationsordner, sodass die ursprünglichen Einstellungen und Add-ons nicht angetastet werden. Die Idee dahinter ist, dass über Application Templates quasi eigene Programme verbreitet werden können, die Blender als Basis einsetzen. Diese Möglichkeit könnte für größere Studios mit vielen Inhouse-Entwicklungen interessant werden, da sich ein so angepasstes Blender leichter auf zukünftige Versionen upgraden lässt, als wenn man den Kern direkt anfasst.

Das Interface skaliert mit

Displays mit hohen DPI-Zahlen werden unter Windows ab Version 8.1 und X11 jetzt besser unterstützt – bisher konnte man das Interface manuell an 4k anpassen. Blender 2.79 skaliert jetzt automatisch, unter Windows werden auch Konfigurationen mit mehreren Monitoren unterschiedlicher Auflösung unterstützt.

Video Encoding überarbeitet

Wer aus Blender heraus Videos encodiert, der hat sich in der Vergangenheit sicherlich schon häufiger über das verwirrende Interface aufgeregt. Besonders ärgerlich war, dass nicht sauber nach Codec und Container getrennt wurde. Mit der Überarbeitung in Blender 2.79 kann man sich endlich eindeutig für einen Container und für einen Codec entscheiden. Wer nach H.264 exportiert, kann jetzt zudem die Encodier-Geschwindigkeit auswählen. Intern verwendet Blender zum Encodieren von Videos FFMPEG, im Interface wird aber nur ein kleiner Teil dieses mächtigen Programms exponiert.

Oberflächen deformieren

Der neue Surface Deform Modifier erlaubt es, eine Oberfläche anhand einer anderen zu deformieren. Das primäre Einsatzgebiet sind Stoff-Simulationen. Man kann ein simples Mesh zum Simulieren verwenden und mittels des neuen Modifiers das Resultat auf ein deutlich komplexeres übertragen.

Animations-Interpolation mit dem Grease Pencil

Der Grease Pencil in Blender ist für 2D-Animationen gedacht und war bereits Gast in Ausgabe 16:04 der Digital Production. Bisher musste jeder Frame einzeln bearbeitet werden wie in der klassischen Animation. Mit dem neuen Blender-Release kann jetzt zwischen einzelnen Grease-Pencil-Frames weich interpoliert werden. Genutzt werden können dafür die gleichen Interpolationsmethoden wie im regulären Animations-System von Blender sowie selbst definierte Kurven.

22 neue Add-ons

Da vor dem Erscheinen von Blender 2.80 erst einmal keine weiteren Releases geplant sind, wurden in Version 2.79 besonders viele Add-ons integriert. Eine vollständige Aufzählung der Add-ons und ihrer Funktionen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, weshalb wir einige herausragende in der Bildergalerie gewürdigt haben. Aber auch sonst kann dieser Artikel nur einen groben Überblick über die zahlreichen Neuerungen und Verbesserungen in Blender 2.79 liefern. Die Entwickler haben an vielen Details geschraubt und an einigen Stellen die Performance erhöht. Obendrein wurden mehr als 300 Fehler beseitigt.

makehuman normal
makehuman torso

Das Addon „Export Paper Model“ von Adam Dominec erlaubt den Export einer SVG-Datei mit Faltmarken, die dann ausgedruckt und zum Basteln verwendet werden kann.

Das Rigify-Addon liefert jetzt auch Rigs für diverse Vierbeiner, Vögel und Haifische mit.

Fazit

Blender 2.79 bringt die Ära 2.5x – 2.7x zum Abschluss und wird sich damit besonders gut für länger andauernde Projekte eignen, denn in dieser Serie werden keine neuen Features dazukommen, die andere Dinge möglicherweise kaputtmachen und dadurch neue Bugs hervorbringen. Bugfix-Releases (das sind bei Blender Releases mit a, b, c etc. nach den Zahlen) sind für 2.79 hingegen zu erwarten, eben aus dem Grund, dass 2.80 noch eine Weile hin ist. Wobei es bereits die ersten Nutzer gibt, die 2.80 aufgrund der Echtzeit-Render-Engine Evee im Einsatz haben. Die Blender-Welt steht niemals still.

Dieser Artikel erschien im Magazin Digital Production, Ausgabe 1705. Herunterladen können Sie ihn hier als PDF.


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