blender grease pencil

Interview: Daniel M. Lara über den Einsatz des Grease Pencil für 2D-Animation

Daniel M. Lara hat in den Bereichen Film, Werbung und Animations-Serien gearbeitet. Unter den Firmen sind unter anderem Lion Animation Studios, Pyro Studios, REM Infografica und Furia Digital. Er hat sich 3D-Animation autodidaktisch beigebracht und hat bei mehreren Animations-Kurzfilmen Regie geführt. Mit 20 Jahren Lehrerfahrung gründete er 2006 Pepe School Land, eine Schule, die sich auf 3D-Modellierung, Character-Animation und 3D-Kurzfilme spezialisiert hat. 2016 hat sein Kurzfilm „Alike“ den Goya-Award für den besten Animations-Kurzfilm erhalten.

 

digital production grease pencil

BD: Wann hast du angefangen, den Grease Pencil zu benutzen und für welche Zwecke?

Daniel M. Lara: Den Grease Pencil hatte ich zunächst, wie alle anderen auch, für Annotationen im 3D-View genutzt. Er ist auch im Video Sequence Editor sehr nützlich, wenn man Feedback geben will. Vor ungefähr zwei Jahren dachte ich, dass es doch wirklich schön wäre, wenn der Grease Pencil Werkzeuge zum Bearbeiten der Striche mitbringen würde. Also habe ich Joshua kontaktiert, damit er versuchen kann, solche Werkzeuge für den Grease Pencil zu implementieren.

BD: Was war dein erstes Animationsprojekt mit dem Grease Pencil?

Daniel M. Lara: Das war ein Animationskurzfilm mit dem Namen „For You“. Nachdem Joshua die Editier-Funktionen implementiert hatte, beschloss ich, eine kurze Animation zu erstellen, um die neuen Tools auszuprobieren. Wir haben dann sofort erkannt, dass da ein enormes Potential vorhanden ist. Denn in einer 3D-Umgebung arbeiten zu können ist einfach so mächtig, wenn man 2D-Animationen erstellen will.

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Hinter den Kulissen von „Skullchaser“ – 2D-Figuren und ihr Schattenwurf im Einsatz.

BD: Was gefällt Dir am Grease Pencil im Vergleich mit anderer 2D-Animations-Software?

Daniel M. Lara: Da gibt es zwei Dinge. Nummer eins ist natürlich, dass man in einer dreidimensionalen Umgebung arbeiten kann. Mit Blender hat man dann die ganze Infrastruktur wie Kameras, 3D-Objekte, ein Partikel-System usw. Das ist wirklich fantastisch. Nummer zwei ist die Möglichkeit, die Striche zu bearbeiten. Man kann sie wirklich genauso wie Vertices eines Meshes bearbeiten, bewegen, rotieren etc. Und da gibt es noch die Sculpt Tools. Von der künstlerischen Seite her ist das einfach sehr mächtig, wenn man Striche auf diese Art und Weise bearbeiten kann.

BD: Was könnte verbessert werden?

Daniel M. Lara: Viele Dinge. Momentan ist der Grease Pencil in Blender noch nicht wirklich einsatzbereit für größere Produktionen. Wir brauchen ein neues Ebenen-System. Das aktuelle ist nicht genug, wenn man komplexe Szenen handhaben will. Wir brauchen auch ein neues Werkzeug zum Füllen und mehr künstlerische Optionen für die Striche. Aber da arbeiten wir dran. Momentan arbeitet Antonioya zum Beispiel am neuen Layer-System.

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BD: Momentan bist du damit beschäftigt, das GP Tools-Add-on zu testen. Kannst du uns etwas dazu sagen, wann es veröffentlicht wird?

Daniel M. Lara: Das ist, denke ich, eine Frage für Antonioya, den Entwickler dieses Add-ons. Er ist zur Zeit stark damit beschäftigt, das neue Ebenen-System für den Grease Pencil zu entwickeln und mit Verbesserungen der Qualität der Striche. Er möchte einen qualitativ hochwertigen Patch für Blender bereitstellen. Das Add-on hat momentan keine Priorität.

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BD: Welche Philosophie steht hinter dem Grease Pencil in Blender?

Daniel M. Lara: Es gibt auf dem Markt unterschiedliche Herangehensweisen an 2D-Animation wie Adobe Animate, Toon Boom oder TV Paint. Unsere Idee geht eher in die Richtung TV Paint. Wir wollen traditionelle 2D-Animation in einer 3D-Umgebung ermöglichen. Es geht bei uns nicht um die Möglichkeit, Icons zeichnen zu können oder Grease Pencil-Striche zu riggen. Das Augenmerk liegt auf traditioneller 2D-Animation.

 

Dieses Interview erschien im Magazin Digital Production, Ausgabe 1604. Herunterladen können Sie es hier im PDF-Format. Den zugehörigen Artikel zum Grease Pencil finden Sie hier auf BlenderDiplom. Des Weiteren gibt es ein Interview mit Joshua Leung aka "Aligorith", dem Hauptentwickler der Grease Pencil-Werkzeuge.